Seit ein paar Minuten Stunden versucht man nun schon vergebens das Schloss zu knacken. Man gibt etwas Druck auf den Spanner, setzt die Stifte, probiert herum, fängt wieder von vorne an. Man zweifelt an den eigenen kognitiven Fähigkeiten, fängt an sich zu fragen ob sich das Schloss überhaupt öffnen lässt. Man holt den Schlüssel heraus, prüft das Schloss. Es geht auf, butterweich. Schlüssel hinein. Drehen. Funktioniert.

Erneut setzt man den Spanner an, übt etwas Druck aus und beginnt wieder mit einem der Picks die Stifte zu setzen. Jeden. Einzelnen. Stift. Wieder und wieder. Noch einmal. Und noch einmal. Nur noch ein letztes Mal probieren.

Und dann, nach Stunden höchster Konzentration bei denen man längst vergessen hat wie spät es mittlerweile geworden ist, macht es klick. Das Schloss geht auf, leise, sanft, als wäre es nur für diesen Moment geschaffen worden. Vorsichtig dreht man den Zylinder, hört wie die Federn gegen eben diesen drücken, wie die Stifte leise am Zylinder kratzen als wollten sie ausbrechen.

Langsam realisiert der Geist, dass all die Mühen endlich zu einem Ergebnis geführt haben. Dopamin schießt durch den Körper als man sich bewusst wird: Ich kann Schlösser knacken. Nicht so, wie man es aus Videospielen kennt in denen man nur zum richtigen Zeitpunkt eine Taste schnell genug drücken muss. Nein, richtige Schlösser zum Anfassen, mit einer rauhen Oberfläche die man fühlen kann und dem Geruch nach Metall. Und das alles mit den eigenen Händen die in den letzten Stunden ein Feingefühl entwickelt haben welches man zuvor nicht für möglich gehalten hätte.

Nach einiger Übung braucht man für einzelne Zylinderschlösser teilweise nur Sekunden, um diese zu öffnen. Auch ein Vorhängeschloss, frisch aus dem Baumarkt welches sich eigentlich nicht so schnell öffnen lassen sollte, war binnen weniger Sekunden geöffnet. Zugegeben, das klappt nicht immer. Manchmal sitzt man trotzdem noch Minuten in völliger Stille hochkonzentriert da, selbst bei Schlössern die sich eben noch einfach öffnen ließen. Doch irgendwann gibt es nach. Irgendwann geben sie alle nach.

Wer bisher noch kein Pickset gesehen hat, so sieht ein einfaches Set aus:

2015-02-03_skill-acquired-lock-picking-pickset
Kleines Pickset für ~30 Euro

Von links nach rechts sieht man auf dem Foto einen Extraktor (um abgebrochene Schlüssel aus dem Schloss heraus holen zu können), 4 Spanner unterschiedlicher Größe sowie 5 Picks unterschiedlicher Form. Die Spanner dienen dazu den Schließzylinder auf Spannung zu bringen, d.h. man übt leichten Druck auf diesen aus während man gleichzeitig mit einem der Picks versucht die Stifte im Schließzylinder zu setzen.